Geburtsgeschichten

Meine Erfahrungen als Geburtsbegleiterin

Geburtsgeschichte meiner Enkelin, meine Transformation von Mutter zur Oma

Ich fange ein wenig von vorne an, damit ihr besser versteht, was wir erleben durften – und was alles möglich ist, wenn man „in Ruhe gebären“ darf!
Ich war bei meiner ersten Geburt 22 Jahre alt – eine junge und definitiv nicht so bewusste Frau wie jetzt. Aber natürlich gebären zu können, ohne dabei Schmerzen zu haben, war für mich selbstverständlich. Deshalb habe ich mir nie Gedanken über die Geburt gemacht.
Meine erste Geburt hat eine halbe Stunde gedauert und war schmerzfrei.

In unserem Leben hatten wir viele Herausforderungen, und meine Tochter war eine große Lehrerin für mich. Sie hat mich immer wieder an meine Grenzen gebracht, bis ich irgendwann erkannt habe, dass ich lernen darf.

Als Erstgeborene hat sie oft gesagt: „Ich war dein Versuchskaninchen – und jetzt, mit meinem kleinen Bruder, machst du alles richtig!“
Ich blicke oft zurück und denke: Damals konnte ich nicht anders. Ich habe ohnehin 100 % gegeben, was ich konnte.
Wir haben alle unsere Themen, an denen wir wahrscheinlich ein Leben lang arbeiten dürfen. Sie ist meine Rebellin – und hat immer wieder einfach gemacht, was sie wollte.

Dann kam die Nachricht: Mama, ich bin schwanger, du wirst Oma.

Es war nicht so überraschend, weil ich es schon kaum erwarten konnte, dass dieser Zeitpunkt kommt!
Doch dann kam auch die Aussage: „Ich gehe ins Klinikum und lasse eine PDA machen!“

Puh, dachte ich. Tief durchatmen – und ich habe selbstverständlich „Ja“ gesagt: „Du gehst deinen Weg, und ich unterstütze dich, wo ich kann!“ Wieder ein großer Lernprozess – ins Vertrauen zu kommen, dass alles, was mit uns passiert, seine Richtigkeit und seinen Sinn hat. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu vertrauen.

An diesem Abend habe ich nicht geschlafen. In meinem Kopf spielten sich die schlimmsten Horrorszenarien ab, was alles passieren könnte. Aber ich habe versucht, dieses Vertrauen wirklich zu spüren. Und zeitweise hat es funktioniert. Ihr Bauch ist gewachsen, und ein paar Monate vor der Geburt hat sie zu mir gesagt:
„Mama, ich habe überlegt – ich kann mein Baby auch bei dir auf die Welt bringen.“

Ich hatte eine Vision: Sie würde einen Blasensprung haben, und ein paar Stunden später wäre das Baby da – so wie bei meiner eigenen Geburt. (Ich habe ihr oft ihre Geburtsgeschichte erzählt, weil ich wusste, wie wichtig es ist, positiv zu sprechen. Und es war eine wahre Geschichte, die sie gestärkt hat – und sie war überzeugt, dass es genauso kommen würde.)

In der 38. SSW kam die Nachricht, dass die Kleine etwas kleiner sei – etwa 2.200–2.500 Gramm – und die Geburt vielleicht eingeleitet werden müsse. Nächste Herausforderung. Sofort schossen mir Bilder durch den Kopf, und ich wollte es nicht glauben. Ihr Bauch wuchs stetig, und ich war sicher, dass darin ein ganz normales Baby war. Ich habe versucht, sie zu beruhigen. Sie war auch im Vertrauen, doch irgendetwas ließ sie nicht ganz zur Ruhe kommen. Jede Woche brauchte sie die Kontrolle, dass alles gut ist.

Ich selbst hatte Höhen und Tiefen. Immer wieder kam Traurigkeit: Was ist, wenn dies oder jenes passiert? Was ist, wenn die Geburt eingeleitet wird? Und dann durfte ich wieder ins Vertrauen kommen, dass es so sein wird, wie es sein soll. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben.

Bei der nächsten Kontrolle am 06.02.2025 wollte ich unbedingt dabei sein, um selbst zu sehen, wie die Lage ist.
Ich war etwas zu spät und rannte vom Parkplatz, weil ich nicht wollte, dass sie denkt, sie sei mir nicht wichtig.
Dabei passierte es: Ich stürzte, brach mir die Hand, zog mir viele Prellungen zu und hatte starke Schmerzen – wollte es aber nicht zugeben.

Ich rannte hinein, völlig neben der Spur, und sagte nur: „Es tut mir leid, alles gut, wir gehen jetzt zum Ultraschall.“
Meine Tochter war schockiert, doch ich ließ nicht locker, wusch mich, riss mich zusammen – und wir gingen zur Ärztin.
Befund: ungefähr 2.860 Gramm.
Puh, ein Stein fiel mir vom Herzen. Wir waren einfach erleichtert und wussten: Es steht nichts mehr im Weg – außer der großen Herausforderung meines Bruchs!

Es blieben noch zehn Tage bis zum errechneten Termin. Sie hatte schon Übungswellen, und ich betete, dass das Baby erst nach meiner OP kommen würde.


Ich durfte weiter im Vertrauen bleiben, dass alles einen Grund hat, warum so etwas passiert.

Ab diesem Zeitpunkt war sie meine Begleiterin. Wir verbrachten stundenlang Zeit zusammen und warteten auf meine OP.
Sie tat mir leid – sie stand kurz vor ihrer größten Herausforderung, und trotzdem musste sie sich um mich kümmern.
Ich versuchte, stark zu bleiben, damit sie sich auf die bevorstehende Geburt konzentrieren konnte.

Dann kam die Nachricht am 07.02.: Wir hatten den ganzen Tag im Klinikum auf meine OP gewartet – und dann hieß es, sie hätten keine Kapazitäten für mich. Keine Operation heute.
Ich war enttäuscht, denn im Februar warteten zehn Frauen auf ihre Geburt, und ich wollte sie unterstützen – doch mit meinen Schmerzen war das nicht leicht.

Vier Tage in Folge wurde ich abgelehnt und wieder nach Hause geschickt – wegen fehlender Kapazitäten.
Es war ein Trümmerbruch am Finger mit einer offenen Fleischwunde in der Innenfläche, die medizinisch versorgt werden musste.
Sie war die ganze Zeit für mich da und beruhigte mich: „Mama, wir schaffen das, es ist alles gut!“ Es war wie ein Rollentausch – ich durfte sie groß und stark erleben, obwohl in ihrem Kopf sicher viele Gedanken kreisten und sie mich eigentlich gebraucht hätte.
Wir sind an jeder Begegnung gewachsen. Für mich war es schmerzhaft, aber auch schön.

Schließlich habe ich selbst einen Arzt gefunden, der die Wichtigkeit meiner Arbeit gesehen hat und mir einen Termin am 12.02.2025 zur Operation gab.
Da keimte die Hoffnung, dass ich es noch vor der Geburt schaffen und mich besser konzentrieren könnte.

Am 12.02.2025 um 4 Uhr klingelte mein Telefon:
„Mama, ich habe einen Blasensprung – und auch schon Wellen, regelmäßig alle zwei Minuten.“ Puh… ich wollte es einfach nicht glauben.

In mir brach eine Welt zusammen. Wie sollte ich jetzt stark sein?

Mein Finger hing schief, ich musste ihn noch verbinden, und die körperlichen wie seelischen Schmerzen brachten mich an meine Grenzen. Ich brauchte fünf Minuten, um wirklich zu realisieren, was gerade passiert war. Dann kamen die Gedanken: Reiß dich zusammen. Deine Tochter braucht dich jetzt. Du musst stark sein.
Ich verband meine Hand, meditierte kurz – und fand meine Stärke und Ruhe wieder.

Als ich ankam, war ich in innerer Seelenruhe.
Sie atmete unten in der Küche, die Wellen kamen häufig, waren aber noch kurz.
Es war so schön zu sehen, wie sie ihre Geburtsarbeit machte.
Meine kleine Tochter – wird Mama.

Von 5 bis 8 Uhr haben wir die Wellen auf dem Ball veratmet. Sie machte das richtig gut, aber sie sagte, es sei schon sehr anstrengend. Vielleicht sollten wir trotzdem ins Krankenhaus fahren.

Was ich bisher nicht erwähnt habe:
Meine Enkelin lag bei jeder Kontrolle mit dem Gesicht nach oben – was im klinischen Setting oft als „falsche Lage“ bezeichnet wird.
Dabei ist es gar nicht so. Es ist einfach nur eine Lage.
Die Kinder wissen selbst, wie sie herauskommen wollen – aber wenn eine Frau verspannt ist, können sie sich schwerer drehen, und dann kommt es zu Komplikationen.

Um 8 Uhr ist sie in die Wanne gegangen. Die Wellen wurden länger – über eine Minute dauerte nun jede einzelne

Ich sehe Geburt als Weg, nicht nur für das Baby, sondern auch für die Mama, die Familie, für alle, die Zeugen dieses Wunders sind. Es ist der Beginn von etwas, das schon lange in uns gewachsen ist – Mut, Vertrauen, Liebe.

Um 9 Uhr kam die Aussage: „Ich gehe jetzt ins Klinikum, lasse eine PDA und einen Kaiserschnitt machen.“
Ich wusste, ich musste sehr vorsichtig sein, was ich jetzt sage – Explosionsgefahr.
Ich habe sie untersucht: Der Muttermund war noch zu. Puh, die nächste Hürde.
Ich wusste: Wenn sie etwas sagt, dann macht sie es auch so.

Wir sind nach draußen gegangen und haben versucht, mit Bewegung die Schmerzen zu lindern.
Ich zeigte ihr, wie sie atmen sollte, und sie sagte: „Wehe, wenn du das nochmal sagst!“ – und wurde still.
Sie war in ihrem Flow und hat die Geburtsatmung gemacht.

Das war unser Kampf – uns gegenseitig zu vertrauen und gleichzeitig unsere eigenen Wunden zu heilen.

Ich wurde leise, und sie ist ihrem eigenen Rhythmus gefolgt.
Wir sind gewachsen.
Und innerhalb einer Stunde spürte sie das Gefühl, mitzudrücken.

Dann saß sie vor mir und sagte verzweifelt:
„Mama, verstehst du nicht? Ich kann nicht mehr! Ich möchte in die Klinik gehen!“
(Bis heute sehe ich ihr Gesicht vor mir – und jetzt, beim Schreiben, kommen mir die Tränen, weil sie mir so leidtat.)

Aber ich wusste: Meine Enkelin kommt jetzt.
Mit Tränen in den Augen sagte ich zu ihr:
„Bitte kämpfe weiter! Sie kommt – ich weiß es! Taste und spüre – ihr Kopf ist bald da!“

Und so war es: Sie spürte das Köpfchen ihres Babys.
Das gab ihr Kraft – weil sie vertraute.
Vertrauen in sich selbst, in mich, ins Universum.

Das Vertrauen gab ihr die Energie, weiterzumachen.
Sie kam wieder in den Flow, atmete und sagte: „Es tut gar nicht mehr so weh!“

Sie kämpfte – und ich durfte mit gebrochener Hand zusehen, wie meine Enkelin am Mittag, innerhalb von zwei Stunden, als Sternengucker in die Hände meines Schwiegersohns schlüpfte.

Wir hatten es geschafft – ohne jegliche seelische oder körperliche Verletzung.
Unsere kleine Lichtbringerin, meine Enkelin, war auf der Welt.
Wir waren unendlich glücklich und dankbar für diese Erfahrung, für diese Geschichte, die wir erleben durften.

Es war eine Transformation – von Frau zur Mutter, von Mutter zur Oma.

Etwas, das ich nie vergessen und niemals missen möchte.
Sogar der Bruch kam zur richtigen Zeit – damit wir uns näherkommen und zusammenhalten lernen durften.
Die Kleine wusste ihren Weg – und in letzter Minute hat sie sich richtig eingedreht, nur weil ihre Mama entspannt war, vertraute und gut geatmet hat.
Sie waren ein starkes Team – und bis heute ist die Kleine ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen, das nun ihre Mama lehren darf.
Vielleicht wird diese Lehre nicht so hart, weil sie in Ruhe und Liebe die Welt erblicken durfte.

Ich bin unendlich glücklich und dankbar für diese Geschichte – und habe noch mehr Vertrauen in die Natur und in die weibliche Urkraft gewonnen.
Ich weiß nun noch fester, dass eine Geburt schön, sanft und selbstbestimmt geschehen kann.
Auf diese Weise betreue ich – und bin gerne auch eure Geburtshüterin bei eurer selbstbestimmten Geburt.

Es ist nicht egal, wie wir geboren werden!

Schreib mir deine Geschichte – gerne auch mit einem Bild.

Lass andere Frauen und Familien spüren, dass Geburt die reinste Form  bedingungsloser Liebe ist.

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